Es ist schon ein komischer Laden, diese Bundeswehr. Was habe ich mich in den letzten zwei Monaten damit rumschlagen müssen und doch das hat nun alles ein Ende. Die Bundeswehr will mich nicht, „nicht wehrdiensttauglich“ heißt es lapidar in dem formlosen auf Umweltpapier gedrucktem Brief.

Der erste Feindkontakt ist dabei schon über 6 Jahre her, damals noch bei der Musterung in Detmold. Ich war jung und wusste noch nicht in welche Richtung es gehen würde. Ich ließ mich mustern und verschwieg meine Knochenleiden im Sprunggelenk und Knie. Der Wehrdienstberater begrüßte mich mit einem „herzlichen Glückwunsch, T2“ und offenbarte mir meine Perspektiven. Zum Heer sollte ich, könnte aber auch zur Marine, doch Hubschrauber fliegen und UBoot fahren sei nicht drin. „Wir melden uns dann bei ihnen.“

Das Abi ging um und glücklicherweise ging es gleich mit der Ausbildung weiter. Kurz darauf meldeten Sie sich wieder. Mittlerweile hatte ich schon erkannt, dass die Bundeswehr nicht so mein Ding ist. Irgendwie sind es doch irgendwo 9 verschwendete Monate für nichts un wieder nichts. „Klar“ mag der deine sagen, „aber die Erfahrungen, die man sammelt, sind was fürs Leben. “ womit der eine auch wahrscheinlich nicht so unrecht hat. Trotzdem. Ich will nicht zum Bund. Schon gar nicht, wenn nicht jeder muss und sich jeder Hans & Franz drücken kann. Ich will auch einer von den Drückebergern sein. Die Ausbildung rettete mich indes schonmal vor dem nächsten Brief vom Kreiswehrersatzamt. Ausbildung geht schließlich vor, dass weiß auch das KWEA.

Nach drei Jahren Ausbildung und erfolgtem Berufseinstieg und der Rückblick auf bereits 23 Lebensjahre ließen mich nun hoffen, dass ich „raus“ sei. Ich wog mich in trügerischer Sicherheit und hatte mit dem Thema schon abgeschlossen. Jedesmal wenn ich drauf angesprochen wurde, lachte ich nur kurz und ließ es damit bewänden. Doch der Tag kam, an dem der Briefträger die unheilvolle Post vorbei brachte. „Einberufung zum 1.4.“ stand in großten Lettern reingedruckt. Das war nicht schön. Ich will doch nicht zur Bundeswehr. Ich hab nen Job, weiß was mit mir anzufangen. Ich hab ne Perspektive und eine waage Vorstellung von meinem Leben in dem kein Platz für 9 Monate Arsch &Dreckkriecherei ist. Bundeswehr eine tolle Vereinigung? Ja vielleicht für Leute die nicht wissen wohin mit sich, die vielleicht ne günstige Ausbildung suchen, ja, aber doch nicht für mich?!?

Ich sprach mit allen. Mit meinem Hausarzt, Zahnarzt, Orthopäden, meinem Seelendoktor, meiner besten Freundin, meinem Hund und meinem Spiegelbild. Alle waren sich einig: Ich KANN nicht zur Bundeswehr. Ich bin – rein körperlich betrachtet – ein wahres Wrack. Ich hab Rücken, graue Haare und manchmal nen schlechten Tag. Wie soll ich das schaffen? Aber auch ernsthafte Krankheiten wie fußball technisch stark ledierte Sprunggelenke und kaputte Knie. Mein Hausarzt schrieb mir dazu auch einen Bericht auf einen Zettel, den ich in Form gebracht der Bundeswehr schicken sollte. Auf dem Zettel standen Krankheiten und Sympthome die noch nichtmal Googles allwissende Rechtschreibprüfung kannte. Nach dem abmalen der Wörter fühlte ich mich sogar noch deutlich angeschlangener. Ich gehöre eigentlich ganz-Körper-einbandagiert.

Die Antwort aus Kassel ließ nicht lange auf sich warten; ich soll erneut gemustert werden. Meine Chance! Meine Krankheitsakte und meine MRT Aufnahmen hatte ich auswendig gelernt, ich kannte meinen Text, meine Leiden, meine Problemzonen und kannte allerlei Ausdrucksweisen mich als Krüppel darzustellen. Auf einer Trage hätten sie mich eigentlich einliefern müssen, so krank war ich – zumindest den Tag. Aber, aber, aber… leider hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht: die Ärztin. Bis dato war ich der Meinung, dass es mich hart getroffen hat. Aber nachdem ich durch das Tor auf dem Scheideweg von Himmel und Hölle durchtreten hatte, wusste ich, da wird ein wenig Überzeugung notwendig sein. Die gute alte Lady, mit ihren über 50 Jahren und Glasbausteinen auf der Nase, mit denen sie problemlos dem Hubble-Teleskop Konkurenz machen könnte, saß … im … Rollstuhl. Ich war nur noch stumm und ließ es über mich ergehen. Beim Hör & Sehtest konnte ich nichtmal schummeln, so konstantierte sie mir noch „sehr gute Hör- und Sehfähigkeiten„.

Die Untersuchungen waren am Ende und als sie mir sagte, dass ich wahrscheinlich nicht wieder kommen müsste, rutsche es mir doch heraus: „Ich bin schon ganz schön verkrüppelt.“…  Man macht sich keinen Begriff, wie still es in einem Raum nach so einer Aussage dann sein kann. FETTNÄPFCHEN? Sie lachte kurz und sagte „Ja, es hat sie schon hart getroffen!“ mit immerhin einem leichten Lächeln. … Es gibt so Momente, da möchte man am liebsten im Boden versinken.

Nach einer weiteren ärtzlichen Untersuchung und Erneuerung meiner Röntgenbilder kam nun heute der Befund: Nicht tauglich, kein Wehrdienst, ausgemustert. Feierabend. Ende. Aus. Frei. Keine Bewährung, kein Aufschub, raus, Game Over. Stephan gewinnt. Toll!

Ein langer Weg mit vielen interessanten Bekanntschaften im KWEA. Was da für Leute arbeiten, ich wollte schon viel negatives schreiben, aber nach dem Urteil, ist es mir auch egal.

3 Kommentare zu “Die Bundeswehr und ich”

  1. 1

    Antje

    Hättest doch einfach sagen können, dass du in deiner Kindheit ganz viel Killerspiele gespielt hast und du, unter anbetracht der gerade aufflammenden Debatte, für nichts garantieren könntest!

  2. 2

    Stephan

    Meinste das wäre wenigstens ehrlich gewesen? 🙂

  3. 3

    Andi

    Hallo mein Lieber,
    wenn du schon ein Wrack bist, was bin ich denn dann? Das hast du ja noch einmal Schwein gehabt. Geschadet hätten dir die 9 Monate sicher nicht 😉
    Na ja, Hauptsache dir wirklich wichtigen körperlichen Funktionen sind in Takt 😉

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